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Wirtschaftskreislauf
      Der Wirtschaftskreislauf ist eine gedankliche Konstruktion - ein Instrument zur besseren Erfassung, Darstellung und Untersuchung der Güter- und Geldbewegungen in einer Volkswirtschaft. Die Vorstellung vom Wirtschaftskreislauf hilft, die komplizierten Vorgänge in einer arbeitsteiligen Wirtschaft vereinfacht und stark schematisiert darzustellen. Dabei wird das allgemeine Bild eines geschlossenen Kreislaufs auf die Wirtschaft übertragen: Zwischen Haushalten, Unternehmen, Banken, dem Staat und dem Ausland (den sogenannten Kreislaufpolen) fließen Geldströme und Güterströme bestimmter Stärke und Richtung.

Der Kreislauf einer stark vereinfachten Geldwirtschaft mit konsumierenden Haushalten und produzierenden Unternehmen lässt sich grafisch darstellen.

Die Haushalte erhalten Einkommenszahlungen ("Geldstrom") für ihre Arbeitsleistungen ("Güterstrom"). Das empfangene Geld geben sie wieder aus, um Konsumgüter zu kaufen.

Durch Erweiterungen kann dieses einfache Bild der Wirklichkeit angenähert werden. Zum Beispiel durch die Berücksichtigung der Kapitalbildung im Kreislauf: Die Haushalte verwenden nicht ihr gesamtes Einkommen für Konsumzwecke, sondern sparen einen Teil. Die Ersparnisse werden von den Banken gesammelt und als Kredite den Unternehmen für Investitionen zur Verfügung gestellt.

Außerdem müssen der Staat und das Ausland als weitere Sektoren ("Pole") in den Kreislauf aufgenommen werden. Der Staat bekommt Steuern und Sozialabgaben von Haushalten und Unternehmen. Er verwendet seine Einnahmen für öffentliche Leistungen, für Subventionen an die Betriebe und Zahlungen an die Haushalte. Durch die Berücksichtigung des Wirtschaftsverkehrs mit dem Ausland wird die bisher geschlossene Volkswirtschaft zu einer offenen. Die entscheidenden Ströme sind dabei die Importe und Exporte.

Diese Überlegungen anhand des Modells vom Wirtschaftskreislauf liefern die theoretischen Grundlagen für die Berechnung des Sozialprodukts. (Rb)
 
Wirtschaftsprognosen
      Eine Wirtschaftsprognose ist eine Aussage über den Verlauf und das Ergebnis eines zukünftigen Wirtschaftsprozesses. Die Prognose umschreibt dabei eine Entwicklung, die sich aus den vorhandenen Daten und Informationen als die wahrscheinlichste abzeichnet. Vereinfachend lassen sich drei Prognoseverfahren unterscheiden:

Extrapolationsverfahren: Der Prognostiker versucht, aus dem bereits bekannten Verlauf des Wirtschaftsprozesses einen Trend herzuleiten, der in die Zukunft fortgeschrieben wird.

Ökonometrische Verfahren: Wichtige Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftsprozesses werden abgeleitet, indem man herauszufinden versucht, welche Faktoren die vergangene Entwicklung beeinflusst haben. Die mutmaßliche Weiterentwicklung dieser Einflussgrößen bildet die Grundlage für die Prognose.

Intuitive Verfahren: Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, Annahmen, Vermutungen und gesicherte Informationen werden unter Zuhilfenahme subjektiver Wertungen und Erwartungen miteinander verknüpft. Durchgängige, mathematisch formulierte Gesetzmäßigkeiten werden in der Regel nicht anerkannt.

Kurzfristige Prognosen werden besonders zur Einschätzung und Steuerung der konjunkturellen Entwicklung benötigt, während langfristige Prognosen der Beschreibung struktureller Entwicklungen dienen.

Gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Produktion schwanken erfahrungsgemäß um einen mittelfristigen Entwicklungstrend. Die Konjunkturpolitik will solche Schwankungen dämpfen oder vermeiden. Dafür braucht sie möglichst zuverlässige Informationen über die kurzfristig zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung. In der Bundesrepublik liefern vor allem die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute und der Sachverständigenrat Prognosen für die konjunkturelle Entwicklung des kommenden Jahres.

Eine Strukturprognose soll dagegen wahrscheinliche strukturelle Veränderungen in einer Volkswirtschaft aufdecken. Von aktuellem Interesse sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Altersstruktur der Bevölkerung (Stichwort: Rentenfinanzierung) oder die Beschäftigtenstruktur (Stichwort: Dienstleistungsgesellschaft). (Li)
 
Wirtschaftswachstum
      Nach der gebräuchlichsten Definition spricht man von Wirtschaftswachstum, wenn die Menge der produzierten Güter (genauer: das "reale Bruttosozialprodukt - BSP") langfristig zunimmt. Die Wachstumsrate misst den prozentualen Zuwachs des realen BSP von Jahr zu Jahr. Ein wichtiges Maß für die Güterversorgung ist das Wachstum pro Kopf der Bevölkerung.

Wirtschaftliches Wachstum ist eines der Hauptziele staatlicher Wirtschaftspolitik. Allerdings ist das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern umstritten:

Die Befürworter argumentieren, dass sich mit dem Wachstum der Lebensstandard der Bevölkerung erhöht und Arbeitsplätze geschaffen werden, soziale Konflikte besser zu lösen sind, der Strukturwandel erleichtert wird und mehr für neue Aufgaben, wie Umweltschutz und Entwicklungshilfe, getan werden kann.

Die Kritik am Wachstum in den Industrieländern setzt an folgenden Punkten an: Der Lebensstandard ist ausreichend. Produktion und Verbrauch ständig wachsender Gütermengen sorgen für eine zunehmende Umweltbelastung und für die Verknappung kostbarer Ressourcen. Durch die hohe Arbeitsproduktivität ist Vollbeschäftigung durch Wachstum nicht mehr zu realisieren.

Aus der Wachstumskritik ist die Forderung nach qualitativem Wachstum entstanden. Wachstum soll umweltverträglich und ressourcenschonend sein.

Auch der Wachstumsmaßstab, das BSP, steht in der Kritik: Die Behebung von Gesundheits- und Umweltschäden steigert das Sozialprodukt, die Kosten der Umweltverschmutzung sind aber nicht berücksichtigt.

Das Wachstum des Sozialprodukts ist ein unvollkommener, mangels neuer Konzepte aber nach wie vor der gebräuchlichste Maßstab für den Wohlstandszuwachs eines Landes. In der Bundesrepublik arbeitet das Statistische Bundesamt an der Entwicklung sogenannter Satellitensysteme. Das sind Statistiken, die das Sozialprodukt ergänzen und Aufschluss über statistisch bisher nicht erfasste Aktivitäten (z. B. Haushaltsproduktion) oder die Umweltsituation (z. B. Schadstoffbelastung) geben sollen. (Li)
 
Wochenendarbeit
      Die Gewerkschaften haben in vielen Tarifauseinandersetzungen mittlerweile die individuelle Arbeitszeit soweit verringert, dass die Maschinenlaufzeiten für die Unternehmen immer stärker in den Vordergrund rücken. Die Betriebe können die stete Verkürzung der individuellen Arbeitszeiten nur durch längere Maschinenlaufzeiten auffangen.

Im Extremfall laufen die Anlagen dazu rund um die Uhr und, wo es technisch notwendig ist, auch am Samstag und in Ausnahmefällen sogar am Sonntag. An dieser Einbeziehung der Wochenendarbeit hat sich der Konflikt entzündet, dessen Frontlinien keineswegs einheitlich durch die gesellschaftlichen Gruppen verlaufen. Nur die Kirchen beziehen geschlossen Position und stellen sich eindeutig einer Ausdehnung der Sonntagsarbeit entgegen.

Die moderne Industrieproduktion bedient sich hochkomplexer Fertigungsanlagen. Die Investitionskosten für die maschinelle Ausrüstung sind hoch und müssen häufig rasch abgeschrieben werden. Deshalb sind die Unternehmen bestrebt, solche Maschinen möglichst intensiv zu nutzen. Eine Verlängerung der Maschinenlaufzeiten in das Wochenende hinein führt zu einer schnelleren Amortisation, zu einer Senkung der Stückkosten und damit zu einer Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Das sind die ökonomischen Vorteile. Die Frage ist, ob die Arbeitnehmer arhythmische Arbeitszeitmodelle akzeptieren, in denen sich von Woche zu Woche die Arbeitszeitstreuung ändert, unter Einschluss des Wochenendes. Aus allen Arbeitnehmerbefragungen zur Arbeitszeit lässt sich der Wunsch nach mehr Flexibilität herauslesen. Das freie Wochenende hat nach wie vor einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Es gibt aber Arbeitnehmer, die durchaus Bereitschaft zeigen, auch am Samstag und Sonntag zu arbeiten.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der von Wochenendbeschäftigung betroffenen Arbeitnehmer in den alten Bundesländern um rund 400.000 zugenommen: eine Folge des wachsenden Dienstleistungssektors.

Der Einsatz der Mikroelektronik verändert Fertigungsmethoden und Fertigungsprozesse nachhaltig. Der Wunsch vieler Firmen, die teuren Maschinen auch am Wochenende laufen zu lassen, beruht sowohl auf produktionstechnischen als auch auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Verstärkte Sonntagsarbeit aus produktionstechnischen Gründen regelt bereits die Gewerbeordnung. Betriebswirtschaftlich begründete Sonntagsarbeit ist in der Bundesrepublik nicht möglich, wohl aber in anderen Ländern. (Ho)

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