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Neue Armut
      Das Schlagwort "Neue Armut" wird bisher in der westdeutschen politischen Auseinandersetzung gebraucht. Gewerkschaften und SPD sowie ihnen nahestehende Sozialwissenschaftler bedienen sich dieses Begriffes, um die Ergebnisse der Finanz- und Sozialpolitik der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung zu kritisieren. Der Vorwurf: Als Folge der Regierungspolitik breite sich Armut in der Bevölkerung immens aus. Als Beleg für diese Behauptungen wird bevorzugt auf die gestiegene Zahl von Sozialhilfeempfängern verwiesen.

In der Tat verzeichnet die Sozialhilfestatistik seit 1970 beständig höhere Empfängerzahlen: Aus knapp 1,5 Millionen wurden bis 1988 rund 3,3 Millionen Personen. Allerdings stellt diese Statistik die Wirklichkeit verzerrt dar, u.a. deshalb, weil sie jedes Mitglied eines Sozialhilfehaushalts mitzählt, z.B. auch den Säugling. Außerdem handelt es sich um kumulierte Jahreszahlen: Sie sind das Ergebnis einer Addition aller Fälle von Sozialhilfebezug im Verlauf eines Jahres ohne Rücksicht auf die Dauer und auch ohne Korrektur um die Fälle, in denen die Leistungen wenig später erstattet worden sind, weil sie nur Überbrückungsfunktion gehabt hatten. Deshalb sind diese statistischen Angaben als Gradmesser von Armut ungeeignet.

Ein realistischeres Bild vom Umfang der Sozialhilfebedürftigkeit bietet die Zahl der Privathaushalte, denen von den Sozialämtern "Hilfe zum Lebensunterhalt" gewährt wird: Ende 1980 waren das 518.600, rund 2,1 Prozent aller Privathaushalte. Ende 1988 waren es 921.700, gerade 3,4 Prozent aller Privathaushalte.

Überdies erscheint es grundsätzlich fragwürdig, die Inanspruchnahme von Sozialhilfe einfach mit Armut gleichzusetzen. Eine Erhöhung der Sozialhilfeleistungen - und damit eine Ausweitung des Empfängerkreises - erhöht sonst die Zahl der "Armen" auch bei unveränderten Bedingungen. Ein paradoxes Ergebnis.

Zweifellos gibt es auch in den alten Bundesländern Armut. Allerdings sichert die Sozialhilfe das notwendige Existenzminimum für jedermann. So erhält ein einkommensloses Ehepaar mit zwei Kindern im Alter von 5 und 10 Jahren derzeit rund 1.520 DM monatlich; außerdem übernimmt das Sozialamt die Miet- und Heizungskosten. Auf diese Leistungen haben die Betroffenen einen Rechtsanspruch. Insofern manifestiert sich Armut heute weniger als finanzielle Not, sondern eher in Mangelerscheinungen sozialer, psychischer und kultureller Art (z.B. Vereinsamung). In dieser Sichtweise bekommt auch der Ausdruck "Neue Armut" einen realen Hintergrund. (Se)
 
Neue Medien - Grundlagen
      Unter dem wenig präzisen Begriff "Neue Medien" fasst man heute zwei Gruppen von Medien zusammen: erstens die durch die Elektronik neu entstandenen Informations- und Kommunikationsmedien, insbesondere den Computer, und zweitens die bereits bekannten Medien, deren Leistungen durch die Integration elektronischer Bauelemente erweitert oder verbessert wurden (Rechenmaschinen, Kassenterminals in Kreditinstituten oder Fernsprecher).

Die Basis dieser neuen Techniken ist die Digitalisierung aller akustischen, schriftlichen und bildlichen Signale. Sie werden automatisch in zwei Zustände (0 - 1, Strom - kein Strom) übersetzt und in dieser Form gespeichert, verarbeitet oder übertragen. Bei dem Empfänger verwandelt das Endgerät sie wieder in die normale Stimme, Schrift oder technische Zeichnung. Der Vorteil gegenüber den üblichen analogen Zeichen besteht in der schnelleren Übertragung größerer Informationsmengen in einer besseren Qualität.

Derzeit wird das Fernmeldenetz für diese Übertragungsform eingerichtet (ISDN - Integrated Services Digital Network). Hier werden Ferngespräche, Fernkopien, Fernschreiben, Teletex, Bildschirmtext, Videotelefon und die Übertragung von Computer-Daten mit einer Geschwindigkeit von etwa 8.000 Buchstaben in der Sekunde.. möglich sein. Als endgültiges Übertragungsmedium wird das IBFN (Integriertes breitbandiges Fernmeldenetz) ausgebaut. Hier können fast unbegrenzt Bit-Mengen mit Laserstrahlen in Glasfaserkabeln übertragen werden.

Die zweite Voraussetzung für die rasante Entwicklung dieser neuen Techniken besteht in der Miniaturisierung (Verkleinerung) der Schaltelemente. Um 1950 benötigte ein Schaltelement noch etwa 10 Kubikzentimeter, heute kann man bis zu vier Millionen Elemente auf einem halben Quadratzentimeter unterbringen (Chip). Der erste, 1955 in der Bundesrepublik installierte Computer füllte ein ganzes Haus, war langsamer und in seinen Möglichkeiten viel begrenzter als heute ein Personal Computer der niedrigen Preisklasse. Heute sind rund vier Millionen EDV-Anlagen in der Bundesrepublik installiert. (B)
 
Neue Medien - gewerblicher Bereich
      Die Miniaturisierung ermöglichte den Einbau elektronischer Mess-, Steuer- und Fernwirkmöglichkeiten in immer mehr Geräte. Aus der Schreibmaschine wurde der Textautomat, Fernkopierer übertragen Unterlagen über beliebige Entfernungen in wenigen Minuten (bald Sekunden). Das Teletex-Gerät ist die elektronische Weiterentwicklung des Fernschreibers. Über die Fernsprechleitung kann man heute schon Fernkopien oder Computerdaten übertragen, mit Bildschirmtext Informationen suchen oder Dialoge führen. In mehr als 4.000 themenspezifischen Datenbanken wird nach und nach das "Wissen der Welt" gespeichert.

Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft werden zunehmend von der schnellen Information abhängig. Verwaltungsvorgänge sind häufig nur noch durch elektronische Datenverarbeitung zu bewältigen.

In den Konstruktionsbüros hat sich "CAD" (Computer Aided Design) durchgesetzt. Der Computer entwickelt technische Zeichnungen (auch farbig und dreidimensional). Durch wenige Angaben können sie nach Belieben verändert werden. Bei der Verbindung von CAD und "CAM" (Computer Aided Manufacturing) stellen Maschinen nach den Angaben des Computers die Werkstücke automatisch her. Eine immer größer werdende Zahl von Maschinen wäre ohne die integrierte elektronische Steuerung nicht mehr konkurrenzfähig. Man schätzt, dass allein im Maschinenbau Elektronik im Wert von 30 Milliarden DM den Bau von Maschinen im Wert von 600 Milliarden DM ermöglicht.

Im Verkehrswesen werden die Züge durch zentrale elektronische Anlagen ferngesteuert. S-Bahnen ohne Fahrer, nur von einer elektronischen Datenanlage gesteuert, sind in Japan eine Selbstverständlichkeit. In der Bundesrepublik werden jetzt die ersten eingeführt.

Der Höhepunkt der Entwicklung ist noch längst nicht erreicht. Prognosen sagen voraus, dass der Umsatz der elektronischen Industrie 1990 den der Automobilindustrie überholt haben und zur Jahrhundertwende die erste Stelle unter den deutschen Industriezweigen einnehmen wird.

Dabei ist die Mikroelektronik kein Job-Killer, wie oft behauptet wird: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit hat festgestellt, dass die Unternehmen, die sich den neuen Techniken verschließen, bald nicht mehr konkurrenzfähig sind. Diejenigen dagegen, die diese Techniken nutzen, vergrößern ihren Umsatz und stellen mehr Arbeitskräfte ein. (B)
 
Neue Medien - Privatbereich
      Die Mikroelektronik ist in großem Maß in den Privatbereich eingezogen. In einem Durchschnittshaushalt steuern und regeln rund 25 Mikroprozessoren Kühlschrank, Tiefkühltruhe, Wasch- und Spülmaschine, Fernsehgerät, HiFi-Anlage und Videorecorder. Videokameras (Camcorder) haben die Schmalfilmkameras abgelöst, die Zahl der "Compact Disc" übertrifft allmählich die der Schallplatten. Taschenrechner und Quarzuhr haben sich überall durchgesetzt. Immer mehr Haushalte besitzen einen Personal Computer oder mindestens einen Home-Computer, der vor allem für Spiele genutzt wird.

Der Pkw wird immer mehr durch elektronische Bauelemente automatisiert. Es gibt bereits elektronische Leitsysteme für den Autofahrer. Flugzeuge können computergesteuert fliegen und bald auch automatisch starten und landen.

Auch in der privaten Umgebung gibt es immer mehr elektronische Geräte: Fahrkarten- und Zigarettenautomaten, Geldautomaten im Bankwesen. Beim Bildschirmtext ist jede Fernsprech-, Telex- und Fernkopiernummer der Bundesrepublik gespeichert. Das Verzeichnis wird täglich aktualisiert. Ein zentrales Buchungssystem für Flüge, Eisenbahn-Fahrkarten und Pauschalreisen gibt im Reisebüro sofort Auskunft und druckt die Reiseunterlagen umgehend aus.

Tragbare, netzunabhängige Computer, neuerdings so klein, dass man sie in die Jackentasche stecken kann, tragbare Telefone und Fernkopierer, mit denen man die Informationen über jeden Fernsprechanschluss übertragen und empfangen kann, setzen sich zunehmend durch.

Die Fernsehgeräte funktionieren bereits überwiegend elektronisch. In den nächsten Jahren können wir mit einer neuen Fernseh-Norm rechnen, die ein größeres und qualitativ erheblich besseres Bild bringt. Der Hörfunk ist, soweit er von Satelliten abgestrahlt wird, bereits digitalisiert. Der terrestrische Hörfunk wird allmählich digitalisiert werden. Dadurch bekommt er die Tonqualität der CD-Platten.

Zur Zeit sind etwa 30.000 Einsatzmöglichkeiten für Chips bekannt, aber kaum 10.000 wurden realisiert. Viele Neuerungen und Veränderungen in naher Zukunft sind deshalb vorgezeichnet. (B)
 
Nord-Süd-Gefälle
      Zwischen den wohlhabende Industriestaaten der Nordhalbkugel und den in der südliche Hemisphäre konzentrierten so genannten Ländern der Dritter Welt existiert ein großer Einkommens- und Entwicklungsunterschied. Nach Angaben der Weltbank lag 1988 das Bruttosozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung im Durchschnitt der westlichen Industrieländer mit gut 17.000 Dollar rund hundertmal höher als in den ärmsten Entwicklungsländern (z.B. Äthiopien, Tschad, Zaire). Die sogenannte Gruppe der Länder mit niedrigem Einkommen brachte es im Schnitt auf etwas über 300 Dollar, die Länder mit mittlerem Einkommen auf knapp 2.000 Dollar.

Das Einkommensgefälle zwischen Nord und Süd hat sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten trotz aller entwicklungspolitischen Anstrengungen nicht nachhaltig verringert. Ein entscheidender Grund dafür ist die demographische Entwicklung: In zahlreichen Entwicklungsländern wächst die Bevölkerung jährlich um 3 Prozent oder mehr. Nur kräftiges Wirtschaftswachstum kann also verhindern, dass der Lebensstandard der Menschen dort weiter absinkt. Dafür sind die Voraussetzungen in weiten Teilen der Dritten Welt alles andere als günstig, Klimatische Faktoren spielen hier ebenso eine Rolle wie eine mangelhafte öffentliche Infrastruktur (Schulen, Verkehrswesen). Die starke Abhängigkeit von einzelnen Exportprodukten kommt oft noch hinzu.

Einzelnen Ländern ist es jedoch in teilweise beeindruckend kurzer Zeit gelungen, Anschluss an den industrialisierten Norden zu gewinnen. Bestes Beispiel sind die sogenannten Schwellenländer wie Taiwan, Korea oder Hongkong. ihre Erfolge zeigen: Ein wirtschaftlicher Ordnungsrahmen auf marktwirtschaftlicher Basis bietet privaten Initiativen Entfaltungsmöglichkeiten und sorgt für die optimale Nutzung des wirtschaftlichen Potentials des Landes. Es gilt in der Entwicklungstheorie heute als gesichert, dass eine möglichst weitgehende wirtschaftliche Liberalisierung im Inneren und die Marktöffnung nach außen unabdingbare Voraussetzungen zum allmählichen Abbau des Nord-Süd-Gefälles sind. (Fr)

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