| Wirtschaft Wissen Lexikon |
| A | [ Wirtschaftslexikon ] | |
| Arbeitsmarkt | ||
| Auf dem Arbeitsmarkt treffen Angebot und Nachfrage nach Arbeitsleistungen aufeinander. Das Arbeitsangebot wird durch die demographische Entwicklung, die Altersstruktur der Bevölkerung, die Erwerbsneigung, Zuwanderungen von Arbeitskräften sowie durch ökonomische Faktoren beeinflusst. Aufgrund der demographischen Entwicklung wäre in der Bundesrepublik von den 90er Jahren an mit einem abnehmenden Arbeitsangebot zu rechnen. Dieser Effekt kann allerdings durch eine zunehmende Erwerbsneigung der Frauen und den Zustrom von Aussiedlern neutralisiert oder umgekehrt werden. Zu den ökonomischen Bestimmungsfaktoren zählen die Löhne und die Arbeitsbedingungen. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeit wird insbesondere durch die Arbeitskosten und die Produktivität sowie durch die Gewinnerwartungen und die Nachfrage auf den Gütermärkten bestimmt. Langfristig zeigt sich, dass die Unternehmen weniger Arbeit nachfragen, wenn der Preis für Arbeit im Verhältnis zu den Preisen für Kapital steigt. In solchen Fällen lohnt es sich, Arbeit durch Kapital zu ersetzen. Der Arbeitsmarkt ist vor allem deshalb ein unvollkommener Markt, weil das Arbeitsangebot nicht gleichartig ist (z.B. Arbeitsleistung von Ungelernten und von Facharbeitern), die Arbeitsmobilität beschränkt ist und Arbeitsanbieter und Arbeitsnachfrager keine vollständigen Informationen über die Marktbedingungen besitzen. Die Organisation des Arbeitsmarktes wird stark durch den Zusammenschluss der Arbeitsanbieter in Gewerkschaften und der Arbeitgeber in Arbeitgeberverbänden geprägt. Da die Tarifparteien Löhne und Arbeitsbedingungen autonom festlegen (Tarifpolitik), wird der Arbeitsmarkt mehr durch Macht und Gegenmacht bestimmt als durch ein "freies Spiel" von Angebot und Nachfrage. Positive Folgen dieser Organisation sind u.a. ein hoher Arbeitnehmerschutz und wenige Arbeitskämpfe. Eine negative Konsequenz ist die geringe Lohnflexibilität, die einen schnellen Abbau von Arbeitslosigkeit erschwert. Diesen Nachteil will die Arbeitsmarktpolitik ausgleichen, indem sie versucht, Arbeitskräfte und -plätze einander anzupassen. Umstritten ist, inwieweit sich dieses Ziel mit den einzelnen Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik verwirklichen läst. Kritikern zufolge ist sie vor allem erforderlich, um Fehlentwicklungen zu korrigieren, die das Resultat eines den Marktgesetzen weitgehend entzogenen Arbeitsmarktes sind. (Di) |
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| Arbeitsschutz |
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| Der Schutz der abhängig Beschäftigten vor Schädigungen und Gefahren, die ihnen unmittelbar aus dem Arbeitsverhältnis erwachsen, ist Aufgabe des Arbeitsschutzes. Um den Arbeitsschutz bemühen sich verschiedene Gruppen und Institutionen: Der Unternehmer hat - neben der grundsätzlichen Verantwortung für seine Mitarbeiter eine Reihe gesetzlicher Regelungen zu beachten. Das Arbeitssicherheitsgesetz vor allem verpflichtet ihn, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu bestellen und entsprechende Einrichtungen bereitzuhalten. Regelungen zum Arbeitsschutz enthalten auch die Arbeitsstätten- und die Reichsversicherungsordnung, das Jugendarbeitsschutz-, das Mutterschutz und das Schwerbehindertengesetz, das Betriebsverfassungs- und das Maschinenschutzgesetz sowie die Unfallverhütungsvorschriften. Grundsätzlich ist jede betriebliche Führungskraft in ihrem Arbeitsbereich für die Sicherheit der Mitarbeiter verantwortlich. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie für den Gesundheitsschutz. Die Träger der gesetzlichen Unfallverhütung sind verpflichtet, mit allen geeigneten Mitteln für die Verhütung von Arbeitsunfällen und für die Erste Hilfe einzutreten: Die Vermeidung technischer Gefahrenquellen verbessert die Arbeitssicherheit bei Maschinen und Anlagen (technische Unfallverhütung). Für die Unterweisung sicherer Arbeitsmethoden werden Fachkräfte ausgebildet. Broschüren, Merkblätter, Plakate, Zeitschriften, Filme etc. sorgen für Aufklärung, Werbung und Schulung. Mit der Fortentwicklung des Arbeitsschutzes beschäftigen sich auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz, die Technischen Oberwachungsvereine, die Gewerbeaufsicht sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft für Arbeitssicherheit. Die Erfolge des Arbeitsschutzes zeigen sich am Rückgang der Arbeitsunfälle: Die angezeigten Arbeitsunfälle sind seit den sechziger Jahren um mehr als ein Drittel gesunken. (Hm) |
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| Ausbilder |
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| In der betrieblichen Berufsausbildung haben Ausbilder eine Schlüsselfunktion. Sie tragen den Jugendlichen gegenüber Verantwortung für den Ausbildungserfolg und für deren persönliche Entwicklung. Sie haben dafür zu sorgen, dass der Fachkräfte-Nachwuchs die Aufgaben in den Betrieben übernehmen kann, die für die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft notwendig sind. In der Berufsausbildung des dualen Systems in der Bundesrepublik darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist. Das Berufsbildungsgesetz schreibt als Beleg für die fachliche Eignung den erforderlichen Abschluss einer Prüfung - in der Regel in der Fachrichtung des Ausbildungsberufs - und den Nachweis der erforderlichen berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse vor. Die veränderten Rahmenbedingungen der Berufsausbildung erfordern ein anderes Rollenverständnis der Ausbilder: Der traditionelle Ausbilder in der Industrie war vor allem Unterweiser und Instrukteur, der in den zu vermittelnden Kenntnissen und Fertigkeiten ständig Meisterschaft zu demonstrieren hatte. Nun wird von ihm erwartet, dass er vor allem die Eigenaktivität der Lernenden fördert, ihre Motivation und ihr Sachinteresse wach hält und bei individuellen Schwierigkeiten als Berater auftritt. Für etwa vier Millionen Beschäftigte, so schätzt das Bundesinstitut für Berufsbildung, ist die Ausbildung junger Menschen eine besondere Aufgabe im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit, Die Leistungen dieser nebenberuflich tätigen Ausbilder sind für die Qualität der Berufsausbildung im dualen System unersetzbar. Von diesen Beschäftigten, die ihr Wissen und Können an junge Menschen weitergeben, waren 1989 rund 670.000 als Ausbilder bei den zuständigen Stellen in den alten Bundesländern registriert. Der Bestand an Ausbildern in den fünf neuen Bundesländern lässt sich noch nicht exakt ermitteln. 1989 waren rund 30.000 Ausbilder als Lehrkräfte für den berufspraktischen Unterricht eingesetzt. Es wird angenommen, dass diese Zahl durch den Umbruch der Berufsausbildung sowie die Schließung oder Verlagerung von Ausbildungsstätten in den neuen Ländern zurückgehen wird. (Ze) |
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| Außenbeitrag |
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| Der Saldo zwischen Export und Import von Waren und Dienstleistungen wird in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen Außenbeitrag genannt.
Exportiert ein Land mehr an das Ausland als es von dort importiert, hat es einen positiven Außenbeitrag. Im umgekehrten Fall spricht man von einem negativen Außenbeitrag. Ein Land mit einem positiven Außenbeitrag produziert im Inland mehr als die Bevölkerung verbraucht. Eine Vergrößerung des Außenbeitrags wirkt somit wachstums- und beschäftigungsfördernd. Man kann es auch anders sehen: Über einen positiven Außenbeitrag wird Arbeitslosigkeit exportiert und Beschäftigung importiert. Die Bundesrepublik hat bis auf wenige Ausnahmen (1979/ 80) einen positiven Außenbeitrag. In den Jahren 1984/86 nahm er Größenordnungen an, die auf massive internationale Kritik stießen. Vor allem die USA forderten von der Bundesrepublik eine viel entschlossenere Wachstumspolitik, um so über vermehrte Importe die hohen Außenhandelsüberschüsse abzubauen. In der Tat haben sich mit der Konjunkturbelebung in den Jahren 1987/88 die Oberschüsse real verringert. Das außenwirtschaftliche Gleichgewicht als grundsätzliches Ziel der Wirtschaftspolitik wird häufig verstanden als ausgeglichener Außenbeitrag. Eine Quantifizierung dieses Ziels, wie früher von der Bundesregierung praktiziert (Außenbeitrag: ein Prozent des Bruttosozialproduktes), ist nicht sinnvoll. Ein positiver oder negativer Außenbeitrag muss stets auch im Zusammenhang mit den Kapitalexporten und -importen eines Landes gesehen werden. (Be) |
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| Außenhandelsverflechtung |
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| Der Außenhandel ist für einzelne Volkswirtschaften unterschiedlich wichtig. Grundsätzlich gilt: Je größer der Inlandsmarkt ist, um so geringer ist die Außenhandelsintensität. So exportieren die USA nur sieben Prozent aller produzierten Waren und Dienstleistungen, die Bundesrepublik dagegen 34 und Belgien 65 Prozent. Einem hohen
Exportanteil stehen meist auch hohe Importe gegenüber. Die Importquote der Bundesrepublik beträgt rund 31 Prozent. Hohe Export- und Importquoten belegen: Die Wirtschaft Westdeutschlands ist sehr intensiv in den Prozess der
internationalen Arbeitsteilung integriert. Der deutsche Anteil am Weltexport hat sich seit 1950 vervierfacht. Besonders groß ist die Außenhandelsverflechtung der Bundesrepublik mit den Staaten der Europäischen Gemeinschaft: 55 Prozent unserer Exporte fließen an die EG-Partner, 51 Prozent unserer Importe stammen von dort. Die Außenhandelsverflechtung der westdeutschen Industrie liegt deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Inzwischen haben zehn der 36 Industriezweige des Verarbeitenden Gewerbes Exportquoten von über 50 Prozent. Besonders exportintensiv sind die Branchen: Büromaschinen und Datenverarbeitungsanlagen (78 Prozent), Feinmechanik, Optik, Uhren (65 Prozent), Textilindustrie (60 Prozent), Automobilindustrie (58 Prozent), Maschinenbau (54 Prozent). In der intensiven weltwirtschaftlichen Verflechtung der deutschen Wirtschaft liegen Chancen und Risiken. Im internationalen Wettbewerb kann nur eine leistungsfähige Wirtschaft bestehen. Insofern fördert die hohe Außenhandelsintensität die Produktivität und den technischen Fortschritt. Andererseits resultiert aus der starken Außenhandelsverflechtung auch eine zunehmende außenwirtschaftliche Verwundbarkeit. Denn über die hohe Exportquote wie über den hohen Importanteil schlagen Veränderungen der Position der Bundesrepublik im internationalen Wettbewerb auf die heimische Produktion, auf Beschäftigung und Einkommen durch. Die Standortqualität hat somit zentrale Bedeutung für die deutsche Wirtschaft (Standortfrage). (Be) |
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Redaktion netSCHOOL 2000