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Fit für die Ausbildung   (2)
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Das Anforderungsprofil der Betriebe
oder: So wählen die Betriebe ihre Bewerber aus

1. Gute Noten und vieles mehr

Die spannendste aller Fragen, die sich die Lehrstellen-Bewerber stellen, ist die, welche Chancen sie mit ihren bisherigen Schulleistungen haben, den von ihnen gewünschten Ausbildungsplatz auch tatsächlich zu bekommen. Schon bald werden die Interessenten erkennen, dass sich die Unternehmen in der Regel sehr viel Mühe geben, um die oder den geeigneten Bewerber unter allen Kandidaten ausfindig zu machen. Lediglich in kleinen Familien- oder Handwerksbetrieben wird häufig auf ein solches Verfahren verzichtet, weil es zu zeitaufwendig ist.

In fast allen Betrieben werden die Auszubildenden über ein mehrstufiges Verfahren ausgewählt - die Schulleistungen alleine sind nicht mehr ausschlaggebend. Das Verfahren besteht im wesentlichen aus folgenden Bestandteilen: Bewerbungsmappe, einem Einstellungstest sowie einem Vorstellungsgespräch.

Checkliste: Bewerbungs-Unterlagen

  1. Anschreiben: In dem Bewerbungsanschreiben steht, warum sich der Interessent um einen Ausbildungsplatz bewirbt.

  2. Deckblatt: Es hat die Funktion eines Titelblatts (Bezeichnung der Lehrstelle, Name, Adresse, Telefonnummer des Bewerbers).

  3. Inhaltsübersicht: Diese ist notwendig, falls die Bewerbung mehr als 10 Seiten hat. Ansonsten kann das Anlagenverzeichnis auch auf dem Deckblatt oder dem Anschreiben stehen.

  4. Lebenslauf mit Foto: Das Foto kann auch auf das Deckblatt geklebt werden.

  5. Zeugnisse: Dazu gehören auch Praktika-Nachweise.
Die Unterlagen sollten in eine Mappe geheftet werden, das Anschreiben oben aufliegen. Flecke, Eselsohren und zerknittertes Papier wirken negativ und schaden dem Gesamteindruck.
 

2. Mit Rechnen ist viel gewonnen

Zum A und 0 aller erfolgreichen Bewerbungen zählt der Nachweis der Kandidaten, dass sie die Grundrechenarten beherrschen. Laut einer Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln rangiert dieses Auswahlkriterium an erster Stelle bei der Beurteilung eines Bewerbers.

Auch in der Bewertung anderer Einstellungs-Kriterien herrscht unter den Ausbildungsbetrieben weitgehend Einigkeit - allerdings mit einigen Unterschieden, je nach dem, ob die Ausbildung in einem kaufmännischen oder gewerblich-technischen Beruf erfolgt. So werden bei den jungen Leuten, die sich um eine Lehrstelle in einem kaufmännischen Ausbildungsberuf bewerben, Schulabschluss, Ausdrucksfähigkeit und Rechtschreibung von den Betrieben noch höher bewertet als die Noten, die im Zeugnis stehen.

Anders bei den gewerblich-technischen Berufen. Dort achtet nur jedes zweite Unternehmen auf Ausdruck und Rechtschreibung. Zugleich haben aber Praktika-Nachweise, naturwissenschaftliche und berufsspezifische Kenntnisse einen sehr viel höheren Stellenwert in der Beurteilung der Lehrstellen-Bewerber als dies in den kaufmännischen Berufen der Fall ist.

Selbstredend, dass Fremdsprachen in einer kaufmännischen Ausbildung - etwa bei Kreditinstituten und Versicherungen - eher gefragt sind als in einer gewerblich-technischen Lehre. Ebenso sollten Jugendliche, die sich in Branchen mit starker Auslandsorientierung wie im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik um eine gewerblich-technische Ausbildungsstelle bemühen, über gute Fremdsprachen-Kenntnisse verfügen. Grund: Ein beträchtlicher Teil der Bedienungsanleitungen für Maschinen werden heutzutage in Englisch verfasst.

Lehrstellen-Bewerber: Worauf die Unternehmen achten

Diese Kriterien zur Beurteilung von Bewerbungen halten die Unternehmen für wichtig oder sehr wichtig - in Prozent

%   Kaufmännischer  
Bereich
Gewerblich-technischer,
naturwissenschaftlicher
Bereich
Rechnen9693
Schulabschluss9394
Ausdruck9450
Rechtschreibung9150
Noten9090
Form der Bewerbung8668
PC/EDV-Kenntnisse6523
Bewerbungsanschreiben6268
Praktika4863
sonstige Zeugnisse4231
Sozio-ökonomische Kenntnisse3018
Berufsspezifische Fächer2844
Gesellschaftswissenschaftliche Fächer2511
Fremdsprachen258
Naturwissenschaften1851
Musische Fächer  6  7
Umfrage bei 763 Unternehmen 1997
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

3. Soziales Verhalten erwünscht

Drei Viertel der befragten Unternehmen würden es allerdings vorziehen, die Eignung der Lehrstellen-Bewerber nach sogenannten Kopfnoten zu beurteilen. Darunter ist eine Note zu verstehen, die nicht nur lernzielbezogene, also prüfbare Leistungen widerspiegelt, sondern in der auch fachübergreifende Fähigkeiten mitbewertet werden - beispielsweise persönliche Einstellungen, das Verhalten in der Gruppe und Arbeitstugenden. Eine Kopfnote ist somit eine Gesamtnote, die Leistungsstand und Leistungsfähigkeit, aber auch die gesamte Persönlichkeit des Kandidaten bewertet. In den Abschlusszeugnissen werden jedoch keine Kopfnoten ausgewiesen.

So vermissen die Unternehmen im Abschlusszeugnis beispielsweise zusätzliche Informationen über die Fehlzeiten der Schüler, die Mitarbeit im Unterricht sowie über das Sozialverhalten. Immerhin zwei von fünf Unternehmen äußern den Wunsch, über diese Punkte von der Schule informiert zu werden. Etwa ein Siebtel der Ausbildungsbetriebe würde es begrüßen, etwas über das außerschulische Engagement, die Teamfähigkeit, Motivation, Fleiß und Leistungsbereitschaft der Schulabgänger zu erfahren.
 

4. Der Gesamteindruck zählt

Die Ausbildung des Fachkräfte-Nachwuchses liegt im ureigensten Interesse der Unternehmen. Denn ohne qualifizierte Mitarbeiter sind die Betriebe nicht wettbewerbsfähig. Deshalb legen die Unternehmen bereits bei der Auswahl ihrer künftigen Auszubildenden in der Regel allergrößte Sorgfalt an den Tag. Wer einen Blick auf die einzelnen Schritte und Bestandteile eines Auswahlverfahrens wirft, kann dies nur bestätigen.

Grundsätzlich ist der Gesamteindruck, den ein Bewerber nicht zuletzt durch das Vorstellungsgespräch bei den Personalverantwortlichen oder dem Firmeninhaber hinterlässt, von ganz entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Frage, ob er einen Lehrvertrag bekommt oder nicht. Doch mitunter kann der Gesamteindruck sich auch an einer Vielzahl anderer Kriterien orientieren: an den Schulnoten oder den Ergebnissen verschiedener Tests, denen sich der Bewerber zu unterziehen hat.

Gesamteindruck98 %
Einzelgespräch95 %
Schulnoten58 %
Praktische Aufgaben50 %
Zeugnisse früherer Arbeitgeber42 %
Kenntnistests40 %
Fähigkeitstests36 %
Persönlichkeitstests31 %
Bescheinigung besonderer Kurse21 %
Gruppengespräch18 %
Mini-Assessment-Center  7 %
Umfrage bei 763 Unternehmen 1997
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Das Auswahlverfahren: Der gute Eindruck zählt

 

Nach diesen Gesichtspunkten beurteilen die Unternehmen die Lehrstellen-Bewerber
- in Prozent
 

5. Mindestanforderungen meist festgelegt

Jedes zweite Unternehmen, das auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden ist, legt vor dem Auswahlverfahren die Mindestanforderungen fest, die die Kandidaten zu erbringen haben. Prinzipiell gilt dabei: Je größer der Ausbildungsbetrieb, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Unternehmen vor der Durchführung des Auswahlverfahrens die Eingangsvoraussetzungen für neue Lehrlinge genau festlegen.

Leider kommt es nicht allzu selten vor, dass Lehrstellen nicht besetzt werden können, weil die Bewerber nicht geeignet sind. So ist die mangelnde Ausbildungsreife eines Bewerbers der Grund, weshalb in zwei von drei Unternehmen, die im kaufmännischen Bereich ausbilden, keine oder nicht alle Lehrstellen besetzt werden konnten. Immerhin nannte auch jeder zweite Betrieb, der im gewerblich-technischen Bereich Ausbildungsplätze anbietet, dass er diese nicht oder nicht vollständig besetzen konnte, weil sich die Bewerber für die Berufsausbildung nicht eigneten.

Wer letzten Endes über die Einstellung entscheidet - das ist in den einzelnen Unternehmen unterschiedlich geregelt. Laut IW-Umfrage liegt in Industrie und Handel die Entscheidung über die Einstellung eines Kandidaten häufig in Händen der Personal- und Ausbildungsabteilungen.- In jedem vierten Betrieb erteilt der Inhaber selbst die Zu- oder Absage.

Anders verhält es sich in den Handwerksbetrieben. Dort entscheidet ganz überwiegend der Firmeninhaber selbst über die Vergabe einer Lehrstelle, dagegen sind Ausbildungsmeister und Fachvorgesetzte in puncto Lehrstellenvergabe in jedem vierten Betrieb die tonangebenden Personen.
 

6. Schlüsselqualifikationen sind unentbehrlich

Wer sich mit den Einstiegsanforderungen auseinandersetzt, die Arbeitgeber an künftige Auszubildende und junge Berufseinsteiger stellen, wird schnell auf den Begriff Schlüsselqualifikationen stoßen. Und so ist der Begriff entstanden: Der Wandel der Arbeitswelt bewirkt, dass die formal für einen Beruf vorgeschriebenen Qualifikationen nicht immer mit den in der Berufspraxis tatsächlich benötigten Fähigkeiten übereinstimmen. Also ist es notwendig, solche universellen Qualifikationen zu vermitteln, mit deren Hilfe sich Änderungen im Laufe des Berufslebens bewältigen lassen. Diese Fähigkeiten sind die sogenannten Schlüsselqualifikationen - also berufsübergreifende und überfachliche Fähigkeiten.

Diese wiederum lassen sich einmal in Qualifikationen unterscheiden, die sich auf selbständiges, logisches, kritisches, kreatives Denken beziehen. Dazu zählt auch die Selbstständigkeit bei der Planung, Durchführung und Kontrolle einer Aufgabe. Zum anderen beinhalten Schlüsselqualifikationen Verhaltensweisen mit einzelpersönlicher Betonung (Selbstvertrauen, Leistungsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit), mit zwischenmenschlicher Betonung (Team- und Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein) sowie die Arbeitstugenden (Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer).

Ganz allgemein lässt sich sagen: Am Nachweis von Schlüsselqualifikationen kommt kein Lehrstellen-Bewerber vorbei. Das Hauptaugenmerk der Betriebe liegt dabei zunächst auf den stark auf die Persönlichkeit bezogenen Qualifikationen wie Einstellung zur Arbeit, Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit. Erst dann kommen die auf die unmittelbare Arbeit ausgerichteten Fähigkeiten wie Konzentration, logisches Denken, planvolles Arbeiten oder Kreativität zum Zuge. Einzig der Kommunikationsfähigkeit wird in den kaufmännischen Ausbildungsberufen eine deutlich höhere Bedeutung beigemessen als in den gewerblich-technischen. Der Grund: Beim Handel treiben, Kaufen und Verkaufen, Werben und Vermarkten stehen nun einmal Sprache und kommunikatives Verhalten mehr im Vordergrund als bei anderen Tätigkeiten.

Schlüsselqualifikationen: Die Einstellung zählt

Diesen Stellenwert haben Persönlichkeitsmerkmale bei der Beurteilung von Lehrstellen-Bewerbern - in Prozent

%   Kaufmännischer  
Bereich
Gewerblich-technischer
Bereich
Einstellung zur Arbeit100100
Leistungsbereitschaft10099
Zuverlässigkeit9798
Verantwortungsbewusstsein9796
Konzentrationsfähigkeit9797
Teamfähigkeit9594
Logisches Denken9595
Initiative9592
Selbstständiges Lernen9493
Kommunikatives Verhalten9270
Planvolles Arbeiten9093
Motivation8899
Kritikfähigkeit8468
Belastbarkeit8394
Kreativität7676
Umfrage bei 763 Unternehmen 1997
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

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