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"Die Welt", online, 26.5.01
Sand und Mpenza - Tore ohne Worte Sie reden kaum miteinander und verstehen sich trotzdem blendend. "Ebbe Sand und Emile Mpenza - das ist das beste Sturm-Duo in Europa und das beste, das Schalke je hatte", lobt sogar Schalkes ehemaliger Nationalstürmer Klaus Fischer den Dänen und den Belgier, die eigentlich nur auf dem Rasen zusammen passen. Ansonsten könnten zwei junge Männer unter 30 Jahren unterschiedlicher wohl nicht sein. |
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"Ich war nicht sehr glücklich über diese Geschichten", erklärte der schüchtern wirkende Mpenza später. Für die Unruhe hatte er allerdings auch selbst gesorgt. Waren seine amourösen Geschichtchen um schöne Frauen noch amüsant, wurde es bei einem Ausflug in die belgische Heimat schon ernster. Den unternahm Mpenza in seinem Porsche nach einem Spiel bei 1860 München - dass er geschwächt von einer Grippe war, minderte die Reiselust nicht. Prompt war er in einen Unfall verwickelt und der Porsche Schrott. Mpenza kam zwar mit dem Schrecken davon, musste sich aber eine Standpauke von Rudi Assauer anhören. Glück für Mpenza, dass dieses Malheur in eine Zeit fiel, in der das Betriebsklima auf Grund des nun eintretenden sportlichen Erfolges wieder besser war.
Ebbe Sand hatte ganz andere Probleme zu bewältigen. Bei einer Untersuchung wurde Hodenkrebs diagnostiziert, im Sommer 1998 brach für den dänischen Nationalspieler die Welt zusammen. Aber Sand besiegte den Krebs. Wer einen solchen Kampf gewinnt, hat vor keinem Gegner mehr Angst, und er lernt, das Leben zu genießen. Aber auf seine bescheidene Weise. Leben, das ist für Ebbe Sand seine Familie: Ehefrau Trine Branner und der kleine Mikkel, der im November 1999 zur Welt kam, als der Papa schon im königsblauen Trikot stürmte.
Leben, das heißt für Ebbe Sand mittlerweile aber auch
Schalke 04. Mitte 1999 kam er von Bröndby Kopenhagen und hatte zunächst bis
2003 unterschrieben. Mittlerweile wurde der Vertrag bis 2005 verlängert. Dass
sich für einen Torjäger wie Sand europäische Topklubs interessieren, ist kein
Geheimnis. Sand entschied sich aber für Schalke, "weil das ein
Arbeiterverein ist, da passe ich hin". Dass er solchen Worten auch Taten
folgen lässt, registrieren die Anhänger mit Wohlwollen. Kein Trikot wird im
Schalker Fan-Shop so oft verkauft wie das mit der Rückennummer 11.
Sand und Mpenza - warum sie am Arbeitsplatz so prächtig harmonieren, können
sie selbst nicht erklären. Natürlich, sie kennen ihre Laufwege, aber das
alleine kann es nicht sein. Wahrscheinlich ist es die Kombination zweier
Instinkt-Fußballer, "bei denen sich jeder über das Tor des anderen so
freut, als habe er es selbst geschossen", vermutet Klaus Fischer. Ihr Verhältnis
ist bei allen Kommunikationsschwierigkeiten von gegenseitiger Hochachtung geprägt.
Mpenza hat in Sand seinen Idealpartner gefunden, denn er erfüllt seine
Wunschkriterien: "Ich spiele am liebsten um einen Stürmer herum, der in
den Strafraum geht, und mit dem ich Doppelpässe spielen kann." Auch weil
er ihn in Sand hat, gelang der Start in die Bundesliga. Mpenza: "Ich muss
mich bei Ebbe bedanken. Ohne ihn hätte ich nicht so schnell in der Bundesliga
Fuß gefasst", sagte er bezüglich der uneigennützigen Spielweise des Dänen.
Auch ohne gemeinsame Sprache sind Sand und Mpenza für Schalke nicht nur eine Tor-Versicherung: Zusammen seien die beiden 100 Millionen Mark wert, rechneten die Redakteure einiger Ruhrgebiets-Zeitungen hoch - obwohl Bayern Münchens Verteidiger Willy Sagnol unlängst zu bedenken gab, "dass Mpenza international ja eigentlich noch gar nicht so berühmt ist."
Einige Wochen vorher war der Franzose dem flinken Belgier im Olympiastadion übrigens gleich mehrmals hinterher gehechelt - vergeblich. Schalke kann einer stürmischen Zukunft entgegen sehen, denn auch Mpenza ist langfristig gebunden. Sein Vertrag läuft bis 2004. Neulich erklärte er, diesen Kontrakt auch erfüllen zu wollen. Vor einer laufenden Kamera, auf Deutsch. Eine echte Sensation.
Norbert Neubaum