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Der Kreis schließt sich
Mit Skepsis haben ihn die Fans empfangen, als er im Sommer 2000
vom ungeliebten Reviernachbarn Borussia Dortmund zum FC Schalke 04 wechselte.
Doch Andreas Möller hat es allen Kritikern gezeigt und sich durchgesetzt.
WELT-Mitarbeiter Norbert Neubaum sprach mit dem Spielgestalter über den
Stellenwert des DFB-Pokals.
DIE WELT: Bevor Sie nach Schalke kamen, war Ihr aktueller Arbeitgeber im Pokal nicht gerade erfolgreich. Wann haben Sie gemerkt, dass es diesmal bis ins Finale reichen könnte?
Andreas Möller: Es gab da kein bestimmtes Spiel. Das Selbstvertrauen wurde von Runde zu Runde größer. Denn eines war uns klar: Wenn wir ins Finale kommen würden, dann hätten wir es uns auch verdient. Die Gegner, die wir ausgeschaltet haben, waren alles andere als von Pappe. Gegen Dortmund, in Magdeburg, in Stuttgart - außerdem das Spiel beim FC St. Pauli, das wahrscheinlich das unbequemste des Wettbewerbs war.
DIE WELT: Sie sprachen zuletzt von der einmaligen Final-Atmosphäre in Berlin. Das sei der Wahnsinn. Sie durften diese Atmosphäre 1989 bei Ihrem Sieg mit Dortmund genießen. Beschreiben Sie uns diesen Wahnsinn.
Möller: Das fängt schon mit dem Abschlusstraining am Freitag an. In diesem Riesenstadion kriegst du alleine schon dabei eine Gänsehaut. Beim Spiel steht der Pokal dann oben auf einer Tribüne und du weißt ganz genau: Wenn du jetzt noch dieses eine Spiel gewinnst, dann kannst du den Pott gleich vor den ganzen Leuten hier in die Höhe stemmen. Da kann jeder erzählen, was er will - das wünscht sich jeder Fußballer.
DIE WELT: Aber rein sportlich gesehen hat der Pokalwettbewerb doch an Attraktivität verloren. Für den Europapokal hatte sich Schalke schon vorher qualifiziert.
Möller: Eine Mannschaft wird langfristig immer an den Titeln gemessen, die sie gewonnen hat. Wenn wir den Pokal 2001 gewinnen, dann können wir in ein paar Jahren wirklich von uns sagen: Damals, da waren wir eine richtig gute Mannschaft. Und für mich persönlich kann sich in Berlin der Kreis sogar irgendwie schließen. 1989 habe ich mit Borussia Dortmund den Pokal gewonnen, das war mein erster großer Titelgewinn. Wenn wir jetzt in Berlin gewinnen, ist es vielleicht einer meiner letzten, wer weiß.
DIE WELT: Vor dem Halbfinale in Stuttgart hat Ihr Mannschaftskollege Mike Büskens jedem Spieler eine Foto-Collage mit spannenden Fotos aus Berlin in den Spind gelegt. Motto: Das entgeht uns, wenn wir es nicht packen. Kann einen Profi so etwas noch motivieren?
Möller: Absolut, ja. Das kitzelt oft die letzten Prozent heraus.
DIE WELT: Sie sagen, dass Schalke das Finale verdient erreicht hat. Das gilt aber auch für Union Berlin.
Möller: Na klar, wir wissen, was da auf uns zukommt. Die haben vier Zweitligisten und mit Bochum sogar einen damaligen Erstligisten ausgeschaltet. Und zufällig ist Union Berlin sicher nicht in die Zweite Bundesliga aufgestiegen.
DIE WELT: Von Schalke wird der Pokalsieg erwartet, alles andere wäre eine Enttäuschung.
Möller: Das bekommen wir doch auch mit. Wir wissen ja auch, welche Anstrengungen die Schalker Fans unternommen haben, um an Karten für das Pokalfinale zu kommen.
DIE WELT: In den letzten Wochen waren Schalkes Profis im Dauerstress. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch außerhalb. Wegen Ihnen kam neulich sogar ein japanisches Fernseh-Team ins Parkstadion. Positiver Stress?
Möller: Ja, ich bin das ja gewohnt und komme ganz gut damit klar. Man muss sich immer vor Augen führen, dass es ja seinen positiven Grund hat, warum wir so gefragt sind. Es ist doch schön, dass Schalke so im Mittelpunkt steht.
DIE WELT: Nach dem Pokalfinale geht es in den Urlaub. Ihr Traum sind sechs Wochen Australien. Klappt das?
Möller: Nein, die Zeit reicht nicht. Es werden wohl ungefähr
drei Wochen Urlaub, da werde ich irgendwo die Beine hochlegen. Aber insgeheim
werde ich auch schon ein wenig an die nächste Saison denken. Wir haben auf
Schalke noch viel vor.